Nannofossilien und ihre Position in der Mikropaläontologie

In erster Linie ordnet man Foraminiferen, Schwammnadeln, Gyrogoniten, Otolithen, Fischschuppen, Samen und auch Pollen, Dinoflagellaten (Hystrichosphären), Acritharcha, Tintinnina, Radiolarien, Silikoflagellaten, Diatomeen, Nannofossilien und Coccolithen den Mikrofossilien zu.
Als Nannofossilien werden alle jene Kleinstfossilien bezeichnet, deren Substanz aus Kalk aufgebaut ist und die eine Grösse von 40 µm nicht überschreiten. Daher werden zum Beispiel Diatomeen, welche zwar auch durch Kleinst-Arten unter 40 µm vertreten sind, aber aus Kieselsäure aufgebaut sind, nicht zu den Nannofossilien gezählt. Da also die Mehrzahl der aus Kalk bestehenden Nannofossilien sich nachweislich von einzelligen Kalkgeisslern (Coccolithineae) ableitet, kann die Bezeichnung Nannofossilien eingeengt werden als 'Kalkfossilien, die von einzelligen Flagellaten abgeschieden wurden und eine Grösse von 40 µm nicht überschreiten'.
Der Lebensbereich der Kleinstorganismen, die als Erzeuger der nachfolgend bearbeiteten Nannofossilien angesehen werden, war weitaus überwiegend das Meer. Die meisten der sternförmigen Nannofossilien kommen erst seit dem Alttertiär (ab ca. 65 Mio. Jahren) in marinen Sedimenten vor. Als mesozoische Vorläufer (ab dem Jura, d.h. ab ca. 205 Mio. Jahren) sind nur einige Arten von Nannotetraedern, Braarudosphaera, Tetralithus, Micrantholithus, Lucianorhabdus und Thoracosphaera zu erwähnen. Das Gros der sternförmigen Nannofossilien setzt erst nach der Grenze Dan-Paläozän ein.
Die marinen Flagellaten, welche als Zeugen ihrer Existenz die Nannofossilien zurückliessen, hatten mit ihrer assimilatorischen Tätigkeit aus anorganischen Verbindungen mit Hilfe von Sonnenenergie organische Substanz und somit Nahrung für das tierische Leben gebildet. Die nicht von Tieren oder Bakterien zerstörte organische Substanz wird als ein wesentliches Ausgangsmaterial für die Erdölbildung angesehen. Die Kalkgehäuse der Flagellaten haben weiters in gesteinsbildender Form wesentlichen Anteil an den Kalkablagerungen des Meeresschlammes. Nicht zuletzt geben sie dem Stratigraphen durch ihr zeitlich unterschiedliches Vorkommen der Arten und durch ihre stratigraphische Aufeinanderfolge und die weltweite Verbreitung wichtige Bestimmungsmöglichkeiten.
Die abgebildeten Nannofossilien entstammen Proben aus Rohrbach / Bgld. Die Discoasteriden haben eine Grösse (Durchmesser) von ca. 10 - 15 µm, und da auch die anderen Nannofossilien mit gleicher Vergrösserung dargestellt sind, ist eine vergleichbare Dimensionierung gegeben. Weiters sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die hier beschriebenen Nannofossilien nur einen kleinen Ausschnitt aus der Gesamtheit der Nannofossilien-Systematik darstellen, zu denen bereits 1958 über 80 Genera aufgezählt wurden.
Bevor sich der Name 'Discoasteriden' durchsetzte, waren deren Vertreter von Ehrenberg 1854 mit dem Namen 'Scheibensternchen' versehen worden, deren Vielfalt sich anhand der nachfolgenden Abbildungen nur erahnen lässt.

Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC

Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC
Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC
Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC
Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC
Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC
Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC
Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC
Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC
Nannofossilien / Discoaster spec.
mittleres Miozän, ca. 16 - 11 Mio. J
O 40 x 2,5 / DIC
Die Kalkkörperchen der 'Braarudosphaeriden' unterscheiden sich von denen der Discoasteriden vor allem dadurch, dass die Enzelteile (auch Einzelsteine, Kristalle oder Sektoren genannt) polarisationsoptisch verschieden orientiert sind, sodass sie bei Betrachtung im polarisierten Licht bei gekreuzten Nikols verschieden hell, und bei Verwendung eines Lambda-Plättchens (Rot-I-Filter) verschiedenfarbig aufleuchten. Sie sind als Teile eines dodekaedrischen Gehäuses eines Kalkflagellaten aufzufassen.