Foraminiferen vom Linsenacker in Guttaring, Ktn.

Eine sehr lohnende Foraminiferen-Fundstelle ist der 'Linsenacker' in Guttaring/Kärnten. Er befindet sich am Westende von Guttaring, nördlich der Strasse nach Althofen. Der Acker hat den Namen nach einer Legende erhalten welche wie folgt lautet:
An einem Sonntag im Frühjahr säte ein Bauer Linsen auf seinem Acker aus. Vorüber gehende Personen, welche zur Heiligen Messe in der Kirche 'Maria Hilf' unterwegs waren, machten ihn darauf aufmerksam dass heute Sonntag sei, und dass dies der Tag für die Besinnung an Gott sei, und daher das ausgebrachte Saatgut unter sehr schlechten Bedingungen gesät wird und er somit kein Glück damit haben werde. Jedoch der Bauer meinte: 'Da das Wetter heute genau richtig für die Aussaat sei und das Wetter ja auch vom Herrgott gemacht wird, so werden er schon eine gute Ernte im Herbst einbringen können'
Als der Bauer aber dann im Herbst seine Linsen ernten wollte fand er alle ausgesäten Linsen versteinert im Acker. So hat der Herrgott das frevelhafte Verhalten des Bauers bestraft und seither wird der Acker als 'Linsenacker' bezeichnet. Soweit die Legende.
Aber nun zu den topographischen und geologischen 'Tatsachen' der Fundstelle:

Der Linsenacker liegt am Nordende des Krappfeldes in welchem zwei Gesteinsgruppen unterschieden werden: Die der Oberkreide zugehörige 'Krappfeldgruppe' und die dem Unteren Tertiär zugehörige 'Guttaring Gruppe'. Die Guttaring Gruppe überlagert diskordant die Krappfeld Gruppe. Im Hangenden folgen auf brackische Schichten rein marine Sedimente eines Flachmeeres. Außer dem Vorkommen am Sonnberg, welchem der Linsenacker zugehörig ist, gibt es noch ein zweites grosses Vorkommen am Dobranberg (J.E.van Hinte, Utrecht 1963). Die Guttaring Gruppe umfasst die 'Roten Tone“, das 'Flötzgebirge“ und die 'Nummulitenmergel und -kalke“.
Die 'Sonnberg Nummulitenschichten“ sind in der Hauptmenge aus den namensgebenden Nummuliten aufgebaut. Die Mergel enthalten Grossforaminiferen, Mollusken und Echiniden. Die vorkommenden Foraminiferen sind in der Hauptsache Nummuliten, aber auch Assilinen, Discocyclinen und Operculinen finden sich. Selten auch Alveolinen und Discocyclinen. Am Forstweg vom Höhwirt zum Holzerbauer sind die Nummuliten sogar gesteinsbildend und am Linsenacker finden sie sich lose in überreichen Mengen. Die Fauna wird dem Übergangsbereich 'spätes Oberpaläozän - frühes Untereozän' zugeordnet (H. Schaub, Basel). Genauer werden sie in die Zeit des 'Ypres' (Papp, 1958) bis zum 'Lutet', 55 bis 52 Mio. Jahre, gestellt. Diese Annahme wird durch das Vorkommen grosser Nummuliten und das Vorkommen von Aktinocyclina und Stomatorbina torrei unterstützt.

Die Foraminiferen, welche in Grösse von 0,3 mm bis 6 mm zu finden sind, sind zum Teil angewittert und zum Teil mit feinem Sand bedeckt.
Foraminifere / Nummulit / Nummulites sp.
leicht angewittert
Ypres bis Lutut, ca. 55 - 52 Mio. J
ST 40 x / HF

Foraminifere / Nummulit / Nummulites sp.
leicht angewittert
Ypres bis Lutut, ca. 55 - 52 Mio. J
ST 40 x / HF
Foraminifere / Nummulit / Cibicides dutemplei
Kantenansicht
Ypres bis Lutut, ca. 55 - 52 Mio. J
ST 40 x / HF

Nummulit / Pelladispira sp.
Endknoten der Stützsäulen sichtbar
Ypres bis Lutut, ca. 55 - 52 Mio. J
ST 40 x / HF

Im Bild 1.5 ist der Querschliff eines mit der mikrosphärischen Initialkammer des diploiden, durch Verschmelzung zweier Gameten entstandenen und daher mit dem gesamten Chromosomensatz versehenen Nummuliten zu sehen. Der Lebensabschnitt des mit dem gesamten, diploiden Chromosomensatz ausgestatteten Nummuliten wird als Schizogonie bezeichnet.
Im Bild 1.6 ist der Querschliff eines Nummuliten, mit der megalosphärischen Initialkammer des von einem Gamonten gebildeten und daher nur haploiden, mit dem halben Chromosomensatz ausgestatteten Nummuliten zu sehen. Der Lebensabschnitt des mit nur einem halben, haploiden Chromosomensatz ausgestatteten Nummuliten wird als Gamogonie bezeichnet.
Nummulit
Querschliff, mikrospärische Initialkammer
Ypres bis Lutut, ca. 55 - 52 Mio. J
ST 40 x / HF

Nummulit
Querschliff, mikrospärische Initialkammer
Ypres bis Lutut, ca. 55 - 52 Mio. J
ST 40 x / HF
Referenzen
Autor: Peter Pavlicek, © 2006 / Email : peter.pavlicek@chello.at
Aufnahmen: 1.1 - 1.6 © Helmut Reichenauer
Material: P. Pavlicek
Präparate: P. Pavlicek
Literatur: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, Sonderband 8; J.E. van Hinte: Zur Stratigraphie und Mikropaläontologie der Oberkreide und des Eozäns des Krappfeldes / Kärnten; Hrsgb.: Geologische Bundesanstalt, 1030 Wien, Rasumovskygasse 23, 1963.