Nähere Betrachtung von Schmarotzerpflanzen

Es rankt sich vor allem über die Mistel, Viscum album, einen Halbschmarotzer, manche Sage. Eine Geschichte aus meiner Schulzeit von meinem Lehrer, Dr. Vornatscher in der Naturgeschichtestunde erzählt, hat mich damals sehr fasziniert und beschäftigt mich auch heute noch, nähere Studien zu machen.

Nach Ansicht der Alten ist sie ohne Samen gezeugt und pflanzt sich auch ohne Samen fort, da sie keine Wurzeln ins Erdreich entsendet. Vom Himmel selbst soll sie auf die Äste der Bäume herabgefallen sein. Nach dem Glauben der Germanen wurde die Mistel von den Göttern auf die Bäume verpflanzt. Obgleich die Mistel nicht der einzige Schmarotzer in unserer Pflanzenwelt ist, hat sie doch von jeher durch ihren eigenartigen Standort auf den Menschen starken Einfluss ausgeübt, seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und zu ihrer Mystifikation beigetragen.

Die Darstellung, wie sie an die Nährstoffe der Wirtspflanze kommt, die sie befällt, ist durch ihre Grösse im mikroskopischen Bild nicht leicht darzustellen. Es kommt daher ein Vollparasit, durch das völlige Fehlen des Blattgrüns gekennzeichnet, die Seide - Cuscuta, auch Teufelszwirn genannt - zur Darstellung. Man vergleiche den Trivialnamen mit dem oben Gesagten.

Es kommen in Österreich mehrere Arten der Seide vor. Bei der hier beschriebenen Art handelt es sich um die Kleeseide, Cuscuta epithymum, auf der Wirtspflanze Klee, Trifolium sp., die im Jahre 1983 auf den Fischawiesen (Pischelsdorfer Wiesen) gesammelt wurde.

Die zu einem dichten Knäuel zusammengedrängten Blüten der Seide bringen zahlreiche Samen hervor, aus denen sich ein kleiner Keimling entwickelt. In den ersten Tagen lebt dieser Keim von den Inhaltsstoffen des Samenkorns. Ohne Wirtspflanze würde er nicht lange überleben und verdorren, deshalb versucht er eine solche recht bald zu umschlingen. Hat diese kleine Ranke auf der Wirtspflanze Fuss gefasst, so vertrocknet die Keimwurzel, und die junge Pflanze wird zum Schmarotzer. Auf der Innenseite der Sprosswindungen entstehen an der jungen Seidenpflanze durch den bei der Berührung auftretenden Druckreiz Saugwurzeln, die so genannten 'Haustorien', die bis in das Nährgewebe, das Kambium, eindringen, und so den Schmarotzer mit allen zum Leben notwendigen Stoffen versorgen.

Mistel / Viscum album
Zweig quer
Schnittbreite 3,5 mm
Apo 4 / 0,10 / DL / Lupenaufnahme
Seide / Cuscuta auf Klee / Trifolium
quer zur Sprossachse des Klees
Schnittbreite 4,0 mm
Apo 4 / 0,10 / DL / Lupenaufnahme

 Referenzen

Aufnahmen:1.1, 1.2 © Herbert Palme
Autor:Herbert Palme, © 2005 / Email : h.palme@utanet.at
Präparate:Herbert Palme